März 2017

Der Geschäftsführer der ART TABLE Gastronomie GmbH, Thomas Schaufuß, veröffentlicht ein Buch mit dem Titel

 

"Ferienfreizeit mit Spiel, Sport und Abenteuer. Kinder- und Jugendsozialtourismus, das Betriebsferienlager in der DDR und ihre Vorläufer"

 

im OEZ-Berlin-Verlag.

 

Mit einem Geleitwort von Prof. Dr. rer. pol. Heike Bähre, Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Tourismuswissenschaft (DGT) e.V. und der Internationalen Vereinigung Wissenschaftlicher Tourismusexperten AIEST.

 

ISBN: <978-3-942437-28-8>   € 34,90

 

Der Jugendsozialtourismus ist ein wichtiges Instrument, allen Bevölkerungsgruppen einer Gesellschaft den Zugang zum Tourismus zu gewähren. Finanzielle Barrieren werden überwunden, um Kindern und Jugendlichen erholsame Urlaubserlebnisse zu schaffen und soziale Spaltungen der Gesellschaft zu vermeiden. Die Bildung der Jugendlichen wird durch den kulturellen Austausch, durch Toleranz und Wissensvermittlung für alle sozialen Schichten aktiviert. Sozialtourismus schafft Arbeit, darf nicht politisiert werden und ist auch in der Zukunft ein Baustein pädagogischer und humanistischer Ziele, um Erholungs- und Reiseerlebnisse für die Heranwachsenden zu schaffen.

 

Der Autor erläutert die historische Entwicklung des Sozialtourismus anhand von Kinderferienlagern, die Sonderform – das Betriebsferienlager in der DDR – wird durch interessante Einblicke und Analysen aufgehellt. Der DDR-Betrieb als Tourismusveranstalter leistete im Auftrag des Staates eine Lohnersatzleistung in Form von betrieblichen Sozialleistungen für die Kinder seiner Mitarbeiter, das Betriebsferienlager hatte in den Kombinaten und Betrieben eine herausragende Bedeutung.

 

Buchmesse Leipzig vom 23. - 26. März 2017
Buchmesse Leipzig vom 23. - 26. März 2017

 

 

Mai / Juni 2017

Rezension zum obenstehenden Buch:

 

  • Herr Ronald Piech schreibt (01.05.2017):

     

    Als Prof. Jürgen Kuczynski Anfang der 80er Jahre seine umstrittene Geschichte des Alltags des deutschen Volkes herausbrachte, war dies insofern ein Novum, da sich bis dato Historiker kaum darum bemüht hatten, die täglichen Lebensverhältnisse der deutschen Bevölkerungen in jeglichen Geschichtsepochen darzustellen. Ähnlich wird es auch ostdeutschen Lebensverhältnissen eines vierzig Jahre währenden Alltags ergehen. Seine Beschreibungen werden im Ergebnis politischer Korrektheit all den Klischees entsprechen müssen, die den kleineren deutschen Staat in den Augen des größeren - unnötigerweise auch noch im Nachhinein - stets stigmatisierten und damit festen Vorgaben für die Geschichtsschreibung aussetzen. Und solche Art Geschichtsbetrachtung wird dereinst auch vor dem Vergessen des real gelebten Alltags in der alten Bundesrepublik nicht haltmachen.
    Deutschland ist im 20.Jahrhundert, bis 1945 und mit Ausnahme der Weimarer Republik, autoritär regiert worden. Für die, die nie anderes erlebt hatten, begann Demokratie bereits mit Milderung der autoritären Verhältnisse und der Verkehrung der Vorzeichen. Insofern erinnerten erste, frühe Ferienlager im Nachkriegsdeutschland in mancher Hinsicht an ähnliches aus dem Dritten Reich, doch hatte nicht zuletzt auch dieses viele Traditionen der Pfadfinder- und Wanderbewegung für sich vereinnahmt. Zweifelsfrei dienten die kindertouristischen Aktivitäten in Deutschland erst nach 1945 den ihnen innenwohnenden Zielen des sozialen Zusammenfügens und der Persönlichkeitsentwicklung, ähnlich wie in all den anderen Ländern, in denen es Ferienbewegungen gab und gibt. Natürlich war die Ferienbewegung des „besseren Deutschland“, wie sich die DDR empfand, nicht ideologiefrei. Aber gehörte es nicht auch zur Pflicht, wenn man Kindern der Nachkriegsgenerationen „Frieden und Völkerverständigung “als Wert an sich vermittelte – oder wäre das ideologischer Ballast?
    Man wünscht sich in der Tat zu vielen Facetten deutscher Nachkriegsentwicklungen eine ideologiefreie historische Betrachtung. Einmal mehr ist es das Verdienst von Thomas Schaufuß , sich mit Fleiß und großer Akribie einem Thema zugewandt zu haben und eine Zustandsbeschreibung zu schaffen, die ein Stück dieses Alltag ins Licht des Interesses rückt und dem Vergessen entreißt, das meist jeglichem Alltag und allen Lebenswelten widerfährt , wenn deren Zeitzeugen verschwunden sind. Wahrscheinlich handelt es hier auch um die einzige Veröffentlichung zum Thema Kinder- und Jugendtourismus, die nicht allein einen solchen historischen Bogen überspannt, sondern dazu so ausführlich recherchiert und spannend dokumentiert wurde.
    Hier publiziert einer gegen das Vergessen. Vielen Dank.

 

 

  • DDR Museum Berlin (15.06.2017):

     

    Sozialtourismus: dieses Wort wurde 2013 zum Unwort des Jahres gewählt. In dem Buch „Ferienzeit mit Spiel, Sport und Abenteuer. Kinder-und Jugendsozialtourismus“ geht es aber nicht um soziale Migration. Das Wort Sozialtourismus hat hier eine ganz andere Bedeutung und könnte als „Bemühungen, besonders einkommensschwachen Schichten der Bevölkerung die Möglichkeit einer Fernreise zu bieten“ beschrieben werden. Thomas Schaufuß, ein DDR-Zeitzeuge, hat sich für dieses umfangreiche Thema interessiert und versucht, die Entwicklung des Jugendsozialtourismus in Deutschland seit 1878 aufzuzeichnen. Auch wenn er sein Buch „ohne wissenschaftlichen Anspruch“ (S. 8) verfasst hat, stellt er die unterschiedlichen Formen und Nutzen des Ferienlagers in Deutschland zu bestimmten Zeitpunkte mit Hilfe von zahlreichen Originaldokumenten dar.
    Thomas Schaufuß beginnt am Ende des 19. Jahrhunderts und führt den Leser durch die Weimarer Republik, das Dritte Reich und die DDR-Zeiten bis zur Wiedervereinigung. Dieser historische Überblick ist ein notwendiger Bestandteil des Buches: Ferienlager in der DDR waren nicht nur das Resultat der damaligen politischen und wirtschaftlichen Bedingungen, sondern wurden auch von allen ihren Vorläufern geprägt. Trotzdem ist sein Schwerpunkt der Sozialtourismus in der DDR, insbesonders die Pionier- und Betriebsferienlager. Er illustriert dieses Thema sogar mit einer Fallstudie über das Kinder- und Pionierlager des Kombinats EKO „Hermann Matern“ in Eisenhüttenstadt, das bis 1961 „Stalinstadt“ genannt wurde. Eingangs gewinnt man Einblick in die Finanzierung des Ferienlagers. Zweitens zeigt diese Fallstudie die Rolle des Ferienlagers bei der Schaffung einer sozialistischen Modellstadt. Zusätzlich werden die Probleme und Widersprüche der betrieblichen Sozialpolitik beleuchtet, vor allem die schlechte Hygiene und der Wohnraummangel. Die ausgewogene Zusammenstellung von allgemeiner Information und Fallstudien erlaubt einen Einblick in die Vielfalt des Themas Sozialtourismus.
    Die Stärke des Buches liegt nicht nur in der Beschreibung, sondern auch in den zusätzlichen Dokumenten, die von dem Autor ausgewählt wurden. Die zahlreichen Fotos, Postkarten und Künstlerkarten helfen den Lesern, ein besseres und lebendigeres Bild der Ferienlager zu bekommen und zwischen den unterschiedlichen Zeiträumen zu differenzieren. Mit jeder Periode entwickelten sich andere architektonische Stile. Es ergeben sich zahlreiche Assoziationen zwischen politischen Epochen und der dazu gehörigen Ästhetik. Außerdem erhalten die Leser auch Dokumente, wie einen Zeittafel oder eine Dokumentensammlung, die sie benutzen können, um ihre Kenntnisse weiter zu vertiefen.
    Thomas Schaufuß beleuchtet auch die breiteren Auswirkungen des Ferienlagers, indem er mehrere Formen und politischen Bedingungen von Ferienlagern vergleicht. So stellt er eine Verbindung zwischen Ferienlagern und dem Verhältnis der Bevölkerung zum Staat her. Die Analyse von Ferienlagern sagt viel darüber aus, wie unterschiedliche Generationen ihren Zustand wahrgenommen haben: ab den 70er Jahren wurden „sozialistischen Rituale“ in Ferienlagern immer weniger ernst genommen. Das ging soweit, dass man Westmusik in der Lagerdisco hörte (S. 152). Aufgrund der Beschreibungen wird klar, dass die Feriengestaltung politisch motiviert war, und dies unabhängig vom Zeitraum. Pionierlager waren besonders stark politisch-ideologisch orientiert, da sie „die zukünftige Elite“ (S. 81) erziehen sollten. Die Instrumentalisierung des Ferienlagers war allerdings keine Erfindung der DDR, wie man im Kapitel über nationalsozialistische Jugendorganisationen im Dritten Reich nachlesen kann.
    Auch wenn alle Ferienlager von den jeweiligen politischen Bedingungen beeinflusst werden, haben sie oft ähnliche Strukturen und folgen organisatorische Richtlinien. Die meisten fördern Werte wie das Zusammenleben, den Kontakt mit der Natur und Unabhängigkeit. Als ich 16 Jahre alt war, habe ich meine Ferien in einem deutsch-französischen Ferienlager am Bodensee verbracht und habe auch solche zeitlosen Richtlinien erlebt.
    Das Buch erinnert Leser daran, dass Ferienlager auch jetzt noch einen großen Einfluss auf zukünftige Generationen haben. Die Teilnehmer werden von ihren dortigen Erfahrungen langfristig geprägt und dadurch tragen sie die Werte der gegenwärtigen Gesellschaft mit sich, gute und schlechte. Wie Thomas Schaufuß mit gutem Recht im Vorwort des Buches sagt: „Die Kinder sind die Zukunft Deutschlands, ja Europas“ (S. 9).

    Text: Julia van Duijvenvoorde

November 2014

Der Geschäftsführer der ART TABLE Gastronomie GmbH, Thomas Schaufuß, veröffentlichte ein Buch mit dem Titel

 

"Spuren bekannter und unbekannter Schaufüße: Eine Zeitreise durch mehrere Jahrhunderte"

 

im Cardamina Verlag, Plaidt.

 

Mit Geleitworten von Dr. Harald von Bose und Dr. Franz Pacher von Theinburg.

 

ISBN: <978-3-864-24201-4>   € 59,00

 

September 2013

Der Geschäftsführer der ART TABLE Gastronomie GmbH, Thomas Schaufuß, veröffentlichte ein Buch mit dem Titel

 

"Das Stammbuch eines Thomaners: Johannes Christianus Heuckenrottius aus Priesteblich (1740-1812)"

 

im Verlag Edition T. Schaufussi, Berlin.

 

Mit einem Geleitwort von Manuel Bärwald (Bach-Archiv Leipzig).

 

ISBN: <978-3-000-42742-8>   € 19,90

 

März 2013

Der Geschäftsführer der ART TABLE Gastronomie GmbH, Thomas Schaufuß, veröffentlichte ein Buch mit dem Titel

 

"Sächsische Tischkultur und Lebensart  Dresden - Leipzig"

 

im Verlag Edition Limosa.

 

Mit einem Vorwort von Herbert Pilz.

 

ISBN: <978-3-860-37512-9>   € 9,90

 

April / Mai 2013

Rezensionen zum obenstehenden Buch:

 

Gastronomie-Report Heft 4/2013, Seite 41, Buchtipp
Gastro_4_2013 41.pdf
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  • Dresdner Morgenpost vom 16.04.2013:

     

    Der Leipziger Koch, Weinberater, Eispatissier, Betriebswirt und Hobbyfotograf Thomas Schaufuß macht uns mit seinem neuen Buch „Sächsische Tischkultur und Lebensart“ den Mund wässrig. Der Gastronom, der 1971 seine Karriere im Leipziger Stadion begann, liefert wissenswerte Unterhaltung – samt 50 Rezepten von Rotkohlroulade bis Omas Flecke. Kümmelbraten oder Karpfen in Rotwein fehlen ebenso wenig wie Holunderbeerensuppe. Und Schaufuß macht Küchen-Anfängern, denen was anbrennt, Mut: „Der Sachse ist wie eine glückliche Henne und isst auch gern mal ’ne Bemme.“

 

  • Herr Blazy schreibt:

     

    Nun, ich gratuliere Ihnen zu dieser Arbeit. Tatsächlich vermittelt das Buch auf eine sehr angenehme Art, wie wir Sachsen zu leben, aber auch zu improvisieren verstehen. Letztlich ist es wohl nach wie vor die Liebe zu den schönen Dingen, welche uns Sachsen miteinander verbindet. Kreativität ist Teil unseres Alltages, egal ob im Handwerk, in der Kunst oder der Wissenschaft. Der Sachse probiert (sich) immer wieder neu (aus). So empfinden meine Frau und ich auch die gestalterische Umsetzung von Text und Bild im vorliegenden Buch als sehr gelungen. Die Bilder wecken das Interesse, sind ästhetisch aber nicht lebensfremd überkünstelt. Insgesamt eine schöne Sache. Insofern wünschen wir Ihnen natürlich, dass diese kleine Kulturgeschichte der sächsischen Koch- und Lebenskunst positiv an- und aufgenommen wird.

 

August 2010

"Die Stasi urlaubte mit"

 

Interview mit Herrn Schaufuß am 2. August 2010 in der Freien Presse (Chemnitzer Presse)

 

September 2011

Der Geschäftsführer der ART TABLE Gastronomie GmbH, Thomas Schaufuß, veröffentlichte ein Sachbuch mit dem Titel

 

"Die politische Rolle des FDGB-Feriendienstes in der DDR - Sozialtourismus im SED-Staat"

 

im Verlag Duncker & Humblot.

 

Mit Geleitworten von Vera Lengsfeld und Klaus Schroeder.

 

    Print: <978-3-428-13621-6>   € 38,-

E-Book: <978-3-428-53621-4>   € 34,-

 

Interview mit der Journalistin Anett Kirchner:

 

„Es gab nicht nur Soljanka und Bockwurst”

Thomas Schaufuß beleuchtet in seinem Buch die Innen- und Außenansichten des FDGB-Feriendienstes der DDR

 

Als Vorspeise einen Geflügelsalat mit Früchten für drei DDR-Mark, als Hauptgang ein Hammelragout mit grünen Bohnen für 3,40 DDR-Mark und als Dessert ein Weinbeerenkompott für 95 DDR-Pfennig. Die Auswahl der Gerichte stammt von einer Speisekarte des Restaurants aus dem ehemaligen FDGB-Erholungsheim „Am Fichtelberg” in Oberwiesenthal. Von 1976 bis 1978 war Thomas Schaufuß dort der gastronomische Direktor. In einem Buch erinnert er jetzt an diese Zeit. Er schreibt über Sozialtourismus, Stasi-Bespitzelung und den SED-Staat.

„Bei uns im Restaurant gab es nicht nur Soljanka und Bockwurst”, nimmt der 62-Jährige gleich vorweg. Denn heute existiere oft eine falsche Vorstellung über die Qualität in der Gastronomie der ehemaligen DDR. „Wir haben direkt an den Tischen flambiert und tranchiert, so, wie es heute die Sterne-Köche auch machen“, erklärt Schaufuß. Das Personal sei fachlich gut geschult und die Qualität der Speisen hochwertig gewesen. „Uns fehlten allerdings die guten Zutaten aus den nicht sozialistischen Ländern”, erinnert er sich. Der damalige, ökonomische Leiter habe deshalb oft seine Beziehungen spielen lassen, um an erlesene Lebensmittel zu kommen. Als Gegenleistung bot er einen Urlaubsplatz im Ferienheim.

Thomas Schaufuß weiß, wovon er spricht, denn er hat beide politischen Systeme aus dem Blickwinkel der Gastronomie kennen gelernt. 1986 reiste er mit seiner Familie in die Bundesrepublik aus und arbeitete dort in einer vergleichbar großen Hotelkette. In seinem Buch beschreibt er jedoch nicht nur seine persönlichen Erfahrungen. Er beleuchtet vor allem die politischen Hintergründe des FDGB-Feriendienstes, zeigt Entwicklungen, Vergleiche und die Bedeutung des speziellen Tourismusangebotes in der DDR auf.

„Ich habe festgestellt, dass es dazu wenig Literatur gibt”, erklärt der Hobbyhistoriker. Um das Thema für die Nachwelt festzuhalten, recherchierte der gebürtige Leipziger, der heute in Berlin lebt, über dreieinhalb Jahre. Der selbstständige Gastronomieunternehmer verbrachte viele Stunden unter anderem im Bundesarchiv, im Sächsischen Staatsarchiv und in der Chemnitzer Außenstelle des Archivs des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR. Des Weiteren sprach er mit Zeitzeugen aus Oberwiesenthal.

Herausgekommen ist das Buch mit dem Titel „Die politische Rolle des FDGB-Feriendienstes in der DDR”, erschienen im Duncker & Humblot Verlag Berlin. Unterstützung bekam Thomas Schaufuß von Prof. Klaus Schroeder von der Freien Universität Berlin und von Vera Lengsfeld, Mitglied des Bundestages von 1990 bis 2005. Sie sind jeweils mit einem Vorwort in dem Buch vertreten.

„Als ich herausfand, dass ein Urlaubszimmer des Ferienheimes dauerhaft als konspirative Wohnung der Stasi zur Verfügung stand, war ich geschockt”, sagt er. Egal ob Urlauber, Gäste, Angestellte oder die Hotelleitung – das instrumentalisierte Ohr der SED-Führung war überall präsent. Bis zu sieben inoffizielle Mitarbeiter (IM) seien in dem Ferienheim gleichzeitig im Einsatz gewesen.

Aber nicht nur das, was dem damals erst 27-jährigen Gastronomie-Chef verborgen blieb, auch vieles, was er selbst wahrnahm, missfiel ihm. „Die Vermischung von Politik und Urlaub habe ich nicht verstanden”, sagt er. Seiner Meinung nach hätte der Freizeitsektor politisch ausgeklammert werden müssen. Stattdessen bekamen die Gäste schon bei der Begrüßung die Eigenarten des Systems zu spüren. „Wir begrüßen unsere lieben Werktätigen und besonders begrüßen wir die Gäste aus der siebten Etage”, lautete die Ansprache. Wohlgemerkt logierten in der siebten Etage SED-Funktionäre des Ministerrates, systembegünstigte Gäste genannt.

In seinem Buch ist ihm besonders das sechste Kapitel wichtig. Dort beschreibt er den Sozialtourismus in der DDR am Beispiel des Ferienheimes in Oberwiesenthal. „Sozialtourismus ist, wenn Tourismus nicht kostendeckend betrieben wird”, erklärt er. Laut seinen Recherchen habe der DDR-Staat die FDGB-Heime im Jahr 1987 allein mit 1,5 Milliarden DDR-Mark bezuschusst. „Das kann auf Dauer nicht funktionieren”, sagt der Diplom-Betriebswirt.

Das FDGB-Erholungsheim „Am Fichtelberg” mit mehr als 1100 Betten zählte damals zu den führenden Ferienhotelbetrieben. „Es konnte mit den westeuropäischen Einrichtungen konkurrieren”, sagt Schaufuß. Mit heutigen Maßstäben gemessen, sei das Haus mit einem Club-Urlaub auf einem Kreuzfahrtschiff zu vergleichen; Schwimmbad, Sauna, Bibliothek, Unterhaltungs- und Sportangebote sowie Restaurant inbegriffen. „Manchmal haben wir in der Knappenstube kleine, inoffizielle Partys mit den Urlaubern gefeiert”, verrät Schaufuß. Heimlich sei ein Klavier besorgt worden, auf dem Hobbymusiker spielten, sozusagen unzensiert. „Am nächsten Tag musste ich mich beim Objektleiter melden”, schildert er.

Freiheitsliebend, idealistisch und kreativ – drei Eigenschaften, mit denen sich Thomas Schaufuß selbst beschreibt. Entsprechend unwohl fühlte er sich in seiner Arbeit in dem Erholungsheim. „Ich sah in dem System keine Zukunft für mich und meine Familie”, beschreibt er weiter. 1986 wurde sein Ausreiseantrag in die Bundesrepublik bewilligt.

 

 

Autorin: Anett Kirchner

Januar 2012

Rezensionen zum obenstehenden Sachbuch:

 

  • Dr. Ding Ding - Politologe und ehemaliger Diplomat Chinas:

     

    Das Buch von Herrn Thomas Schaufuß ist sehr interessant. Seine systematische Analyse des Sozialtourismus ist wertvoll, weil sie auf seiner persönlichen Erfahrung beruht. Sie hilft den Lesern, die SED-Diktatur besser zu verstehen.

    In vieler Hinsicht erinnert das Buch mich an die ähnliche Praxis des „Sozialtourismus“ in China. In den ersten Jahrzehnten nach der Gründung der VR China waren Arbeitererholungsheime im ganzen Land entstanden. Neben Kadererholungsheimen waren Arbeitererholungsheime im Auge normaler Bürger unvorstellbarer Luxus, weil sie jahrzehntelang eher als Belohnung für ausgewählte parteitreue Arbeiteraktivisten galten. Diese genossen in solchen Erholungsheimen die Erholung, mussten sich natürlich auch der politischen Schulung unterziehen. Inzwischen ist es eine vergessene Geschichte geworden, selbst für die Zeitzeugen.

    Als Zeitzeuge und Zeithistoriker hat Herr Schaufuß einen Beitrag zur DDR- und Sozialismus-Forschung geleistet.

 

 

Hinweis - siehe auch:

März 2012

 

Sind Rezensionen in der Wissenschaft Buchbesprechungen oder dienen sie Netzwerken?

 

Eine Frage, die man in der heutigen Mediengesellschaft schwer beantworten kann. Des Öfteren stellt man bei Recherchen fest, dass Mentoren von Doktoranten in Zusammenarbeit mit kooperierenden Wissenschaftlern ihren Schützlingen zu einer wohlwollenden Rezension verhelfen. Sogenannte „Konkurrenten“ in diesem Wissenschaftsbereich werden schon mal diffamiert.

 

Für einen Hobbyhistoriker ist so eine Eisfläche unbekannt und man rutscht schnell mal aus. Denn er setzt sich uneigennützig mit der DDR-Geschichte auseinander, möchte zur Geschichtsaufklärung beitragen und das Klittern der Geschichte vermeiden. Besonders bitter stößt es dem Hobbyhistoriker auf, wenn er liest, dass die einfachen “Arbeitnehmer“ als Sündenböcke hingestellt werden und die Stasi-Bonzen und deren Günstlinge im Nebel verschwinden.
[so gelesen und empfunden im Buch von Stirn „Traumschiffe des Sozialismus“, Metropol-Verlag, und in verschiedenen Artikeln, u.a. in der TAZ „… Stewardessen und Köche sind ‚Repräsentanten der DDR‘ und zugleich potentielle Verräter.“]

 

Als ich 1968 als junger Mann in Prag mit für die Freiheit in Europa demonstrierte, dachte ich auch an die geistige Freiheit.

 

Das Drama der deutschen Teilung ist, dass sie trotz der Euphorie 1989 heute nach über 20 Jahren noch in den Köpfen haftet und so auch bei verschiedenen Lehrkräften. Die Frage ist nicht, Zeitzeuge oder Historiker, sondern Wahrnehmung oder Nichtwahrnehmung von Tatsachen der Vergangenheit und die Weitergabe an die heranwachsende Generation. Wer die totale Macht des SED-Staats erlebt hat, weiß, wovon ich spreche. Verhöhnung und Verächtlichmachung von andersdenkenden Menschen ist kein Ruhmesblatt und Anti-Kommunismus keine trübe Angelegenheit und über Schicksale von Menschen sollte man sich nicht lächerlich machen.

 

In der DDR gab es eine Losung: „FDJ in den Wald macht den Borkenkäfer kalt“! Diesen Reim müsste man bei manchen Historikern umdichten: „Nehmt die Rezension als gut getarnte Waffe und so macht ihr jeden Zeitzeugen zum Affen“. Ich kann nur als Zeitzeuge sagen: Spodet und koppert weiter für diese „Metropole“.

 

Siehe auch „Zeitzeuge oder Zeithistoriker?“, geschrieben von Irmscher HU Berlin.

Siehe auch „Rezension als gut getarnte Waffe“, geschrieben von Micha Brumlik.

 

Juni 2012

 

Frau Gellner, Referentin im Staatsministerium für Kultus, Freistaat Sachsen führt aus (Dresden, 04.06.2012):

 

Das Buch vermittelt interessante Einblicke nicht nur in die Rolle der DDR-Gewerkschaften und die Organisation der Ferien für die werktätige Bevölkerung“ sondern auch das diesem System zu Grunde liegende Menschenbild. 

 

Ein wichtiges Anliegen der sächsischen Bildungspolitik ist es, dass Schülerinnen und Schüler unsere jüngste Geschichte, politische Zusammenhänge und demonkratische Werte lebensnah erfahren und verinnerlichen können. Dazu gehört auch eine aus verschiedenen Blickwinkeln heraus geführte Auseinandersetzung mit der DDR-Geschichte. Die Schüler sollen in die Lage versetzt werden, sich in Bezug auf wichtige historische Entwicklungen und Ereignisse eine eigene fundierte Meinung zu bilden.

 

Januar 2014

 

Leitartikel in der OSTTHÜRINGER Zeitung vom 15.01.2014:

Nur Abstand

Nur Abstand